Kritisch-konstruktiv ist mein Blog, in dem ich über Gott und die Welt schreibe. Von Computer und Internet über Sport, Unterhaltung bis hin zu Politik und Nachhaltigkeit.
1 Jahr nach Vorstellung der Bulldozer-CPUs und 1 ¼ Jahre nach Rory Reads Amtsantritt als AMD-Chef gehört einmal eine umfassende Manöver-Kritik über AMDs Status Quo gemacht.
Die Bilanz fällt aus meiner Sicht durchwachsen aus, es gibt aber auch Gründe zur Hoffnung.
AMD hat zuletzt hohe Verluste zu verzeichnen gehabt. Hauptgrund dafür war ein massiver Geschäftseinbruch im Server-Markt. Und der hängt wohl wesentlich damit zusammen, dass seit Erscheinen von Intels neuen Xeon-Server-Prozessoren auf Sandy-Bridge Basis AMD nicht mehr konkurrenzfähig ist – AMDs Bulldozer-Opterons haben seitdem in fast jeder Disziplin das Nachsehen.
Noch im November 2012 plant AMD allerdings die Einführung der nächsten Opteron Generation mit Piledriver-Kernen. 2013 sollen Energiespar-Server mit hauseigenen Kabini- und evtl. auch mit ARM-Prozessoren folgen. Eingesetzt werden diese dann auch in den – nach der Übernahme im Sommer 2012 – hauseigenen Sea-Micro-Servern.
Damit besteht zumindest die Chance auf eine Markt-Konsolidierung.
Ähnlich sieht die Situation auch im Desktop-Segment der gehobenen Endanwendern aus: AMDs Bulldozer-basierte FX-CPUs sind gegen Intels Core i5 und i7 CPUs nur selten konkurrenzfähig.
AMD hat durch eine sehr aggressive Preisgestaltung – erfolgreich – Schadensbegrenzung betrieben. Doch nur durch eine höhere technische Konkurrenzfähigkeit kann AMD wieder auf die Erfolgsspur kommen.
Die gerade eben, Ende Oktober 2012, eingeführten FX-CPUs mit Piledriver-Prozessor-Kernen sind mit Sicherheit ein Schritt nach vorne. AMD hat hier gutes „Hardware-Bugfixing“ betrieben – die Bulldozer-Schwächen sind aber grundsätzlich immer noch vorhanden.
In anderen Marktsegmenten sieht es für die Texaner dann wesentlich besser auch:
Auch wenn die Verkaufrückgänge im Desktop-Bereich teilweise auf den stagnierenden PC-Markt zurückzuführen sind, so hat AMD hier allerdings einen schweren Fehler gemacht:
Die Nicht-Einführung eines Phenom III Prozessors auf Llano Basis.
Gerade bei Spielen haben die Bulldozer-FX-Prozessoren gegenüber ihren Vorgängern ziemlich enttäuscht. Bis zum Erscheinen des FX-8350 war der „Phenom II X4 980BE“ bei der Mehrzahl an Titeln AMDs schnellste Spiele-CPU.
Ein „Phenom III X4 1000“ mit 4 Stars/K10.6 Kernen, 8 MB Level-3-Cache und 4 GHz Takt-Frequenz wäre AMDs mit Abstand schnellste Spiele-CPU gewesen – und hätte mit Sicherheit viele Spieler auch 2012 zum Kauf einer AMD CPU bewogen.
AMD hätte auf diese Art sowohl etwas für den Umsatz als auch fürs Image tun können.
Bei den Grafikkarten hat AMD sehr viel richtig gemacht.
Der technische Fortschritt der HD 7000 Baureihe ist nur zu einem kleinen Teil in höhere Rechenleistung geflossen, der überwiegende Teil in höhere Energieeffizienz. Gut so!
AMD optimiert seine 7000er Grafikkarten – im Gegensatz zu Nvidia – nicht voll auf Spiele, sondern auf Allround-Eigenschaften.
Die Bildqualität ist praktisch gleich gut wie beim Haupt-Mitbewerber, das Preis-Leistungsverhältnis deutlich besser.
Einzig die Leistung-pro-Watt ist ein Schwachpunkt der AMD-Karten, ganz besonders bei den im Sommer nachgeschobenen OC-Varianten.
Diese war seit Rory Reads Amtsantritt wirklich extrem hoch: Praktisch das gesamte Management ist ausgetauscht worden.
Trotzdem namhafte Leute geholt worden sind, sehe ich das doch negativ. Neben den Abgängen von wirklich zentralen Entwicklern mitsamt ihrer Unternehmenserfahrung sticht dabei der Abschied von Finanzchef und Interims-CEO Thomas Seifert negativ hervor.
Das schwache Jahr 2012 hängt wie ein Damokles-Schwert über AMDs Zukunft. Durch die fehlenden Erlöse von gestern fehlen heute Investitionen für morgen.
Technisch hat AMD 2013 aber mehrere äußerst viel versprechende Entwicklungen in petto:
Die hoch moderne 2. Generation der E-Serie APUs (Codename: Kabini), die wahrscheinlich evolutionär überarbeiteten Radeon HD-8000 Grafikkarten und die 3. Generationen von A-Serie APUs und von FX-Serie CPUs mit stark verbesserten Steamroller-Kernen.
Steamroller ist gleichzeitig der 1. Schritt für HSA (Heterogeneous System Architecture), die Voll-Integration von CPU und GPU – auch verschiedener Hersteller – in eine Gesamt-Recheneinheit. Und die besonderen Fähigkeiten dieser Prozessoren sollen von zukünftiger Software nochmals wesentlich besser unterstützt werden.
Schlusssatz:
AMD hat Zukunftspotential. Die größte Frage für mich ist eher die, ob es eigenständig überleben kann oder übernommen wird.