Kritisch-konstruktiv ist mein Blog, in dem ich über Gott und die Welt schreibe. Von Computer und Internet über Sport, Unterhaltung bis hin zu Politik und Nachhaltigkeit.
In den letzten Wochen hat das Schlecker-Nachfolge-Unternehmen „dayli“ in Österreich mit seinen Sonntagsöffnungs-Plänen für große Aufregung gesorgt:
„dayli“ hat durch einen Bistro-Betrieb seiner Drogerie-Greisslereien das Sonntagsöffnungsverbot aushebeln und sich so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern herausschinden wollen.
Abseits der gewohnt harten und klaren Kritik der Gewerkschaft an diesen Plänen erscheint es auf den 1. Blick überraschend, dass auch die Wirtschaftskammer ebenso strikt dagegen ist und beide Sozialpartner erfolgreich bei der Bundesregierung für ein Schließen der vorhandenen Schlupflöcher interveniert haben. SPÖ und ÖVP haben im Nationalrat einen von allen Fraktionen unterstützten Gesetzesantrag eingebracht, der vorsieht, dass hinkünftig nur mehr echte Gastronomiebetriebe Alltagsprodukte am Sonntag verkaufen dürfen.
Nachdem vor allem Rot, Schwarz und Orange, teilweise aber auch Blau jahrelang vehemente Verfechter einer massiven Ausweitung der Ladenöffnungszeiten gewesen sind, so – ich formuliere es betont vorsichtig – scheint sich ein Schwenk im politischen Mainstream Österreichs vollzogen zu haben.
Auf einmal kommen seitens der Regierung Argumente, die bislang hauptsächlich von der, von Kirchen und Gewerkschaften initiierten, „Allianz für den freien Sonntag“ öffentlich vertreten worden sind.
Und diese Argumente stimmen einfach:
Abgesehen davon, dass eine umfangreiche Sonntagsöffnung (und darüber hinaus generell noch weiter ausgedehnte Ladenöffnungszeiten) die gemeinsam zu verbringende Zeit der Menschen noch weiter reduzieren, so sind erweiterte Öffnungszeiten auch gesamtwirtschaftlich widersinnig.
Umsätze kann man nicht einfach so steigern, ohne höhere verfügbare Einkommen bei den Menschen können diese schlichtweg auch nicht mehr ausgeben.
Was sich allerdings bei offenen Geschäften am Sonntag ändern würde, das wäre die Verteilung der Umsätze:
Großunternehmen würden davon deutlich profitieren, kleine und mittlere Unternehmen verlieren.
Die Gründe, warum dem so ist, sind es wert, einmal in einem separaten Blog-Eintrag behandelt zu werden. Der Punkt ist jedoch, dass Großunternehmen mit ihren wesentlich größeren Ressourcen sowohl den – bei mehr offenen Tagen – höheren Personalbedarf leichter stemmen als auch die Bewerbung dieser Zeiten wesentlich besser bewerkstelligen können.
Somit wird klar, warum Großunternehmer wie Richard Lugner, Janet Kath (Interio) oder jetzt eben „dayli“ so vehement auch an Sonntagen aufsperren möchten.
Und somit verwundert es nicht, dass laut Fritz Aichinger, dem Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien, in Umfragen der Kammer sich regelmäßig rund 90 % der Unternehmer (und das sind natürlich vorwiegend KMUs) gegen eine Sonntagsöffnung aussprechen.
Selbstverständlich bin auch ich persönlich nicht nur als Kleinunternehmer, sondern auch als ein gegen Konsumwahn und für Nachhaltigkeit eingestellter Bürger ein leidenschaftlicher Befürworter der Beibehaltung und vielleicht sogar Reduzierung der bestehenden Ladenöffnungszeiten!
Das Beispiel des Abschmetterns der von „dayli“ versuchten Sonntagsöffnung durch die Hintertür zeigt, dass selbst Großwirtschafts-Lobby-getriebene Politiker auf wichtige Interessen der Menschen dieses Landes zumindest manchmal Rücksicht nehmen müssen.
Wichtig wäre dementsprechend, dass noch viel mehr Menschen so viel Druck für ihre berechtigten Anliegen machen, dass auch ihnen die Politik Gehör schenken muss. Damit bestünde dann die Chance, auf echte Demokratie und Nachhaltigkeit!