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13. April 2012 5 13 /04 /April /2012 00:30

Lieber Herr Thompson,

 

ich bin ein absoluter Internet-Mensch, lebe das Netz der Netze richtig gehend. Pro Tag surfe ich 3-6 Stunden.

Und für das Auffinden der Inhalte braucht man natürlich Suchmaschinen. Gerade bei uns in Europa heißt "Suchmaschinen" aber fast immer "Suchmaschine", nämlich Google.

 

Selbst Ihnen als Yahoo-Chef sage ich offen, dass ich Google mag und sie für die momentan beste Suchmaschine halte. Marktanteile von 90 % und mehr, wie sie Google in Europa hat, finde ich allerdings höchst bedenklich.

Die Suche im Internet ist einfach zu wichtig, um sie einem De-facto-Monopolisten zu überlassen.

 

Und die einzige echte Alternative zu Google in meinem Heimatland Österreich ist für mich aktuell Yahoo.

Nur diese 2 Suchmaschinen sind Vollsortimenter und bieten alle wichtigen Funktionen, die fortgeschrittene Anwender von einer Suchmaschine erwarten:

Websuche, Nachrichtensuche, Bildersuche, Videosuche, Suche nach deutschen Webseiten, Suche nach Webseiten aus Österreich und mehr.

 

Yahoo macht dabei schon heute keinen schlechten Job. Einen besonders guten allerdings auch nicht.

Die Basis, die Yahoo als Suchmaschine speziell in Österreich hat, ist wirklich gut. Was Yahoo daraus macht jedoch leider ziemlich armselig.

Was ich damit meine werde ich an Hand mehrerer Beispiele erläutern:

  1. Yahoo hat eine eigene Version seiner Suchmaschine für Österreich. Doch diese ist so gut „versteckt“, dass kaum ein Anwender sie findet – und damit natürlich auch nicht nutzt.
    Ruft man www.yahoo.at auf, dann kommt man auf die Login-Seite von persönlichen Yahoo-Benutzerkonten. Oben drüber gibt es ein recht kleines Logo „Yahoo! Österreich“, wenn man auf dieses klickt, dann kommt man zur Suchmaschine.
    Die direkte URL der Suchmaschine ist at.search.yahoo.com.
    Wie kann ein Suchmaschinen-Anbieter den Anwendern so große Hindernisse in den Weg legen?
    Wenn man die Österreich-Suche von Google verwenden möchte, dann gibt man einfach www.google.at ein.
  2. Direkt in Zusammenhang mit Punkt 1:
    Die Yahoo-Österreich-Suche erreicht auch deshalb kaum ein Benutzer, weil diese nicht über die Browser-Suche, z.B. in Firefox, zu erreichen ist.
    In der deutschsprachigen Version von Firefox funktioniert die Suche mit Yahoo über Yahoo-Deutschland (de.search.yahoo.com).
    Sucht man im FF-Browser mit Google, dann kommt man direkt zur Österreich-Suche von Google. Ich nehme an, dass dort Suchanfragen per IP-Kennung automatisch umgeleitet wird.
  3. In Zusammenhang mit den Punkten 1 und 2:
    Ich habe einen Online-Shop und betreibe darüber hinaus auch noch mehrere kommerzielle und nicht-kommerzielle Online-Auftritte.
    Ich kenne Yahoo Search-Marketing und nutze es auch. Jedoch erreicht man über diese Schiene nur eine winzige Anzahl von Menschen.
    Denn: Abgesehen davon, dass Yahoo in Österreich einen Marktanteil von vielleicht 1 % hat, so laufen – wie beschrieben – die meisten Yahoo-Suchanfragen eben nicht über Yahoo-Österreich sondern über Yahoo-Deutschland.
    Und wie soll man hier ein geographisches Targeting machen, wenn man den Großteil der Zielgruppe nicht erreicht – obwohl es technisch ja sehr einfach möglich wäre?
  4. Über Österreich-spezifische Kritikpunkte hinaus, gibt es natürlich auch generelle Schwächen.
    Darunter fällt die nur eingeschränkt vorhandene Filtermöglichkeit nach Zeit.
    Bei Google kann man die Suche auf die letzten 24 Stunden, die letzte Woche, das letzte Monat das letzte Jahr und darüber hinaus sogar noch auf einen benutzerdefinierten Zeitraum einschränken. Bei Yahoo ist eine Einschränkung auf das letzte Jahr und benutzerdefiniert dagegen nicht möglich.
  5. Darüber hinaus gibt es noch weiteren, wenn auch weniger kritischen Verbesserungsbedarf:
    -) Mit der Indizierung von bestimmten Webseiten hat der Microsoft Crawler massive Probleme. Das fällt auf Bing ebenso negativ zurück wie auf Yahoo. Wiederum schafft es Google bei den meisten dieser Webseiten, sie sauber zu indizieren.
    -) Die Verwendung von Booleschen Operatoren bei komplexen Suchen klappt bei Yahoo auch nicht optimal.
    -) Auch die Suche nach bestimmten URLs oder das Durchsuchen von Webseiten liefert im Vergleich zu Google oft schlechtere oder keine Ergebnisse.

Ein Google-Marktanteil von knapp unter 100 % im österreichischen Suchmaschinen-Markt lässt bei mir alle Alarmglocken läuten. Eine solche Dominanz schreit geradezu danach, seine marktbeherrschende Stellung irgendwann einmal auszunutzen.

 

Sowohl als Anwender als auch als Werber wünsche ich mir zukünftig 1 oder besser 2-3 ernsthafte Alternativen zum übermächtigen Giganten Google. Von einer Marktsituation wie in den USA, wo Google „nur“ 66 % Marktanteil hat, können wir in Europa nur träumen.

 

Yahoo ist, wie schon erwähnt, von der Funktionalität her der einzig echte Mitbewerber für Google. Und: Yahoo ist mir einfach sympathisch.

Bei aller hier angeführten Kritik, so gibt es auch abseits der Suche ganz konkrete, neue Punkte, die Yahoo in den letzten Jahren gut gemacht hat:

Spontan fallen mir Yahoo Answers, der Währungsrechner oder der Wetterdienst ein.

 

Ich wünsche mir sehr, dass Yahoo die Trendwende schafft und seine Marktanteile ausbaut.

Das würde die Anwender, die Werber und natürlich auch das Unternehmens selbst sehr glücklich machen.

 

Sehen Sie meinen Brief als Gratis-Consulting von einem Anwender an Sie.

Über die hier erwähnten Inhalte hinaus habe ich etliche konkrete Ideen, wie Sie mit innovativen Ideen bei den Anwendern wieder Begeisterung wecken können.

Wenn Sie wollen würde ich Ihnen gerne nähere Informationen dazu geben.

 

Viel Erfolg und beste Grüße,

Ulrich Lintl

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  • Ulrich Lintl, Jahrgang 1978, kritisch-konstruktiver Zeitgenosse, sehr an Nachhaltigkeit, Politik, Natur und Internet interessiert. Auch an Sport, Kabarett und gutem Essen. Ausserdem liegt mit regionale Kultur und Mundarten am Herzen.

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