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27. September 2014 6 27 /09 /September /2014 17:00

thomas-morgenstern-vector-PNGIch habe angekündigt, dass ich in nächster Zeit Follow-Up-Einträge zu früheren Blog-Einträgen mache, und auf gewisse Weise ist auch dieser einer. Endlich einmal wieder ein Eintrag über Sport, konkret über einen der größten Skispringer aller Zeiten.

 

Ich bin schon seit meiner Kindheit in den 1980er Jahren Skisprung-Fan, also schon seit Zeiten von Vettori, Felder, Nykänen und Weißflog, und verfolge seitdem das Skisprung-Geschehen sehr interessiert.

Nach dem Goldi-Boom Mitte der 1990er Jahre sind die Erfolge für Österreich rarer geworden. Ende der 1990er bis Anfang der 2000er habe haben unsere Skispringer leider  relativ wenig "gerissen" – und wenn, dann meist durch Andi Widhölzl und Martin Höllwarth. Einzige, große Ausnahme in dieser Zeit war der Mannschafts-WM-Titel 2001 (auch mit Wolfgang Loitzl, damit ich den auch nicht vergesse).

Ein Tiefpunkt im österreichischen Skispringen war dann nach den medaillenlosen Großereignissen 2002 (Olympia) und 2003 (WM) erreicht. In diese Zeit ist aber auch der Wendepunkt zur Goldenen Ära gefallen.

 

Denn in der Saison 2002/2003 haben vor allem 4 junge Österreicher mit Stockerl-Plätzen oder sogar Siegen aufgezeigt, die unter Trainer Hannu Lepistö ihr Weltcup-Debüt gefeiert haben:

Christian Nagiller (heute noch am ehesten durch seinen gewaltigen aber gestürzten 220m-Satz am Kulm in Erinnerung), Florian Liegl (heute Trainer), Andi Kofler (wohl jedem Skisprung-Fan bekannt) – und natürlich Thomas Morgenstern.

 

Er und Erfolgstrainer Alex Pointner haben für mich den mit Abstand größten Anteil daran, dass es von 2005 bis heute einen beispiellosen Erfolgslauf des österreichischen Skispringens gegeben hat. Thomas Morgenstern war bei allen Mannschaftsmedaillen dieser Ära – die meisten davon in Gold – dabei und hat wesentlich zum Erfolg beigetragen.

 

Dass er fast alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, das ist ja schon von den Mainstream-Medien berichtet worden – von Olympia über WM und Weltcup bis hin zur Vierschanzentournee und dem Nordic-Tournament.

 

Was mich als Skisprung-Kenner aber sportlich am meisten beim "Morgi" beeindruckt ist die langjährige Konstanz auf hohem bis höchstem Niveau. Wenn man schaut, wie viele Podiums- und Top-Ten-Plätze über welch langen Zeitraum der Thomas errungen hat, dann sind seine Leistungen noch viel beeindruckender, als bei reiner Betrachtung der Siege. Und er hat seine gesamte Karriere über keinen einzigen großen "Hänger" gehabt, er war fast immer vorne dabei.

Eine derartige Dauer-Konstanz auf Top-Niveau kenne ich in diesem schnelllebigen Sport, bei dem Sieger meistens nur 1, 2, 3 Jahre oben bleiben, sonst nur von Jens Weißflog, Janne Ahonen, Gregor Schlierenzauer und vielleicht noch Simon Ammann.

Auf den Punkt gebracht: Von etlichen der größten Skispringer aller Zeiten. Und zu denen gehört Thomas Morgenstern definitiv auch!

 

Auch ein Top-Athlet ist dabei vor gewissen, menschlichen Schwächen nicht ganz gefeit. Völlig normal, wenn man einen Menschen nicht komplett in eine PR-Scheinwelt hinein inszeniert.

Nicht zuletzt negative Erfahrungen, wie die mediale Berichterstattung über Turbulenzen in seinem Privatleben, haben ihn die letzten Jahre nachdenklicher werden lassen.

Schwere Stürze, wie derjenige in Kuusamo 2003, haben ihn aber 10 Jahre lang ziemlich unberührt gelassen.

 

Vor allem nach dem 2. Sturz in der letzten Saison (2013/2014) am Kulm hat sich das aber geändert: Er hat darauf hin selbst seine weitere Karriere als Skispringer in Frage gestellt.

Gemeinsam mit dem Umstand, dass er Vater ist und nun nicht nur mehr für sich selbst Verantwortung trägt, hat das dazu geführt, dass er eine für mich logische Entscheidung getroffen hat, auch wenn sie schade ist: Er ist zurück getreten.

 

Dass er aber kurz nach den Ereignissen am Kulm noch einmal bei den olympischen Spielen in Sotschi angetreten ist und mit der Mannschaft Silber (und damit seine letzte Medaille) geholt hat, habe ich damals, so kurz nach einem ganz schweren Sturz, für ziemlich wahnwitzig gehalten. Heute finde ich es aber toll. Denn diese Medaille stellt einen würdigen Abschluss seiner große Karriere dar.

 

In diesem Sinne noch einmal herzlichen Dank für 12 tolle Jahre, in denen du mir wie allen Skisprung-Fans sehr viel Freude bereitet hast. Alles Gute für dein weiteres Leben mit Familie und was auch immer noch kommt!

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Published by kritisch-konstruktiv - in Sport
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  • Ulrich Lintl, Jahrgang 1978, kritisch-konstruktiver Zeitgenosse, sehr an Nachhaltigkeit, Politik, Natur und Internet interessiert. Auch an Sport, Kabarett und gutem Essen. Ausserdem liegt mit regionale Kultur und Mundarten am Herzen.

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