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20. Dezember 2015 7 20 /12 /Dezember /2015 21:30

Wer kennt Krieg der Sterne bzw. Star-Wars nicht? Es werden ganz wenige Menschen sein, alleine durch die derzeit laufende schier unfassbare Öffentlichkeits-Kampagne macht es ja nahezu unmöglich, nichts von dieser Filmreihe mit zu bekommen.

 

Ich bin ja mehr ein Star-Trek und Babylon-5 Fan, allerdings völlig undogmatisch. Ich schaue eigentlich alles gerne, was gut ist.
Und ich muss sagen, dass die Krieg-der-Sterne-Filmreihe auch wirklich gut gemacht ist und sich Lob zu Recht verdient hat. Die Hysterie rund um diese finde ich allerdings vermessen.

 

Ich bin ja politisch aktiv, anti-ideologistisch und sehr systemkritisch. Und in der politisch kritischen "Szene" gibt es auch etliche Fundamentalisten, die Sport und jede Unterhaltung ablehnen. Das diene nur zur Ablenkung der Massen und hielte sie davon ab, sich mit den ernsten und wichtigen Themen zu beschäftigen.

 

Auf der anderen Seite gibt es dann die hedonistischen und konsumgeilen Hardcore-Fans – in diesem Fall natürlich des Star-Wars Universums. Sie schauen alles, was gedreht wird, kaufen alles, was angeboten wird, ja sie flüchten teilweise sogar vom echten Leben in die Scheinwelt dieses fiktiven Universums.
 

Ich lehne beide Extreme strikt ab – wie ich das mit Extremen fast immer tue. Bevor ich aber sage, wie ich persönliche mit Krieg der Sterne umgehe, möchte ich aber etwas ausholen.

Was Star-Wars auszeichnet

Wie in fast allen Epen so steht der Kampf "Gut gegen Böse" im Zentrum des Geschehens. Und auch Star-Wars-Schöpfer George Lucas sagt ebenso ganz offen, dass er sich auch Elemente großer, historischer Literatur bedient, wie das fast alle großen Vertreter der Phantastik tun: Ob John R. R. Tolkien bei "Herr der Ringe", Frank Herbert bei "Dune" oder ob in jüngerer Vergangenheit J. Michael Straczynski bei "Babylon-5" und J. K. Rowling bei "Harry Potter".

 

In der, in den 1970er und 1980er Jahren gedrehten, mittleren Trilogie (Episode IV, V und VI) geht es noch ziemlich platt zu: Gut gegen böse ist hier weitgehend Schwarz-Weiß-Malerei. Es gibt aber auch löbliche Ausnahmen im Graubereich: Während beim Charakter Lando Calrissian die Loyalität von dunkelgrau (eher böse) zu hell (gut) wechselt, so ist vor allem das Persönlichkeitsbild von Darth Vader bzw. Annakin Skywalker hervorragend: Der helle Ritter, der der dunklen Seite der Macht verfällt, ihr zum Aufstieg verhilft, letztendlich jedoch das Böse, in Gestalt des Imperators, vernichtet.

 

Wesentlich besser, da deutlich vielschichtiger, gefällt mir die von 1999 bis 2005 veröffentlichte Prequel-Trilogie (Episode I, II und III). Der 1. Teil der Saga noch weniger, dieser ist aus meiner Sicht eine klassische Einführung ins Thema. Doch in der Episode II und noch mehr in Nummer III wird ein ebenso faszinierendes wie realistisch-schockierendes Bild gezeichnet: Denn die dort beschriebene Transformation einer demokratischen Republik in ein diktatorisches Imperium weist große Parallelen zur realen Welt von heute auf.

 

Schon im 2. Teil kommt es zu einer Staatskrise, da das demokratische Parlament zu zerstritten ist, um eine – künstlich inszenierte – Krise zu meistern. Dem Kanzler werden aus diesem Grund diktatorische Vollmachten übertragen. Und so wie es viele Menschen in Krisenzeit tun, so sympathisiert auch Annakin Skywalker mit dem "starken Mann".
Im 3. Teil geht dann sowohl "im Großen", als auch "im Kleinen" die Entwicklung zur dunklen Seite weiter: Die intelligent-bösartigen Intrigenspiele des Kanzlers gehen auf, er schafft es die Demokratie zu vernichten und sich selbst zum Herrscher eines diktatorischen Reiches zu machen. Durch persönliche Schwächen und unglückliche, äußere Umstände wird aus dem Jedi-Ritter Annakin Skywalker Darth Vader, die rechte Hand des diktatorischen Imperators.

 

Die historische Inspiration von George Lucas für Star Wars war Deutschlands Übergang von der Weimarer Republik zur Nazi-Herrschaft. Doch das greift in meinen Augen viel zu kurz:
Für mich braucht es nur wenig Phantasie, um hier in der Gegenwart Parallelen gegenüber dem vom Westen zumindest begünstigten IS (Islamischer Staat), dessen Terror-Anschlägen und dem damit verbundenen, immer anti-demokratischeren Kurs der Regierungen unserer Staaten zu ziehen. Nicht nur für mich, sondern für immer mehr Menschen sind die Aussetzung der Menschenrechte in Frankreich nach dem Pariser Terror-Anschlägen der 1. Schritt Richtung einem dunklen Imperium, wie in Krieg der Sterne.

Wie ich mit Krieg der Sterne umgehe

Ich bin allgemein ein Pragmatiker und ich bin ein Filmfreund. Die Star-Wars-Epen gefallen mir. Auch wenn sich Masse und Klasse oft widersprechen, so sind die ganz großen, massentauglichen Werke meistens gut. Das gilt auch für die Krieg-der-Sterne-Reihe.
Gut gegen Böse wird wohl für die Menschheit immer interessant bleiben. Noch dazu, wenn es optisch so großartig inszeniert ist, wie in den Werken von George Lucas.

 

Wie also mit Star-Wars umgehen?
Menschen haben sich in einer Demokratie zu beteiligen und haben für ihr Mitgestaltungsrecht zu kämpfen. Sie brauchen aber auch Pausen von diesem Kampf – und diese mit intelligenter Unterhaltung zu nutzen finde ich grundsätzlich positiv. Ausarten in einen Fan-Fanatismus und in eine Realitätsflucht darf das aber nicht.
Die große Schizophrenie der Hardcore-Star-Wars-Fans ist es, dass sie einem Kaufwahn verfallen bzw. sich in eine Scheinwelt flüchten, die von einer Republik zu einem Diktatur gemacht worden ist.

 

Das einzige, was mit an Star Wars selbst massiv stört ist die gigantische Kommerzialisierung. Wenn man weiß, dass die bisherigen 6 Filme 4,38 Mrd. $ eingespielt haben und mit dem gesamten Franchise 30,7 Mrd. $ umgesetzt worden sind, dann ist der – höflich formuliert – Geschäftswunsch der Rechteinhaber kommerziell verständlich. Ich möchte mich daran aber auf gar keinen Fall beteiligen.

 

Seit dem Kulminationspunkt 2002, als im selben Jahr je 1 Episode von "Star Wars", "Herr der Ringe" und "Harry Potter" Premiere gefeiert haben, habe ich eine "Film-Hype-Trauma" erlitten. Und das hat bei mir zu einer unbedingten, kurzfristigen Konsumverweigerung geführt.
Daher werde ich mir die jetzige Krieg-der-Sterne-Trilogie nicht im Kino anschauen und statt dessen warten, bis diese ins Fernsehen kommt. Derweil gibt es ja neben den älteren 6 Filmen der Reihe auch noch zahlreiche, weitere interessante Kinofilme und Fernseh-Serien.
Wenn die Star-Wars-Episoden VII, VIII und IX im Fernsehen laufen, dann freue ich mich aber schon, mir diese anzuschauen!

 

Und ich werde mich auch weiterhin hartnäckig, für eine positive, demokratische Welt und vor allem ein Miteinander von politisch Andersdenkenden einsetzen.

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Published by kritisch-konstruktiv - in Unterhaltung Politik
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